Margot Schula

Erste Treffen: Die Flucht vor dem Russen

Der Titel klingt wie ein Romantitel, nicht wahr? Das aber ist die Realität und viele Menschen mussten diese Realität durchleben. Einer dieser Menschen ist Margot Schula. Heute lebt die 85-Jährige in dem Seniorenheim St. Clara in Osnabrück. Im Rahmen des Projektes „CrossCheck“ haben sich verschiedene Generationen getroffen und unterhalten. Als Schüler haben mein Partner Johann und ich Frau Margot Schula interviewt.

Der erste Eindruck, als wir das Altersheim betraten, war überwältigend. Damit meine ich aber nicht nur die Wärme, die uns entgegenschlug, sondern auch der Geruch. Eine Mischung aus Desinfektionsmittel und altmodischem Parfüm. Eine Mitarbeiterin des Heims, Frau Rotert, führte uns zu einem großen Frühstückssaal, in dem wir uns an große runde Tische setzten und auf die Senioren warteten. Nach und nach trudelten die Senioren ein, jedoch war Frau Schula nicht dabei.

Eine ältere Dame setzte sich zu uns, jedoch wusste sie nichts von dem Projekt und zusätzlich war sie auch recht schwerhörig. Als dann Frau Schula doch noch kam, waren Johann und ich etwas erleichtert. Das Kennenlernen lief super, da wir schon fast ihren kompletten Lebenslauf erfuhren. Natürlich nur grob, aber Details sollten wir erst bei den folgenden Treffen erfahren.

Sie fing an, von ihrer Flucht zu erzählen, welche im Januar 1945 begann. Der Zweite Weltkrieg war noch nicht vorbei, aber er ging in die Endphase. Die Familie Schula besuchte Verwandte auf dem Land, um etwas Schutz zu bekommen und sich für die Entbindung in der Klinik anzumelden, denn die Mutter erwartete ihr achtet Kind. Vater Schula wurde schon im Dezember des Vorjahrs eingezogen. Dennoch war seine Frau entschlossen, die Familie alleine weiterzuführen. Als sie jedoch nicht bleiben konnten, da die Front näherkam, mussten sie ihre Sachen packen und zum Bahnhof gehen, um ihre Heimatstadt Oppeln in Oberschlesien zu verlassen. Die Fahrt war sehr unangenehm, aber als sie in Hirschfelde in Sachsen ankamen, war ihre Fahrt zu Ende. Dort angekommen, nahm sie ein freundlicher Bahnhofsvorsteher in Gewahrsam und führte sie in einen provisorisch eingerichteten Gastraum für Flüchtlinge.

Am 7. Februar 1945 wurde die jüngste Schwester von Margot Schula geboren. Doch die Frede hatte ihr Ende gegen Ende Februar. Die Russen kamen immer näher und Familie Schula musste Hirschfelde verlassen. Die Zugfahrt ging durch Tschechien bis kurz vor die österreichische Grenze. Dort wurden sie in einer großen Turnhalle einer Schule untergebracht. Einige Zeit später bekamen sie ein Zimmer bei einer Bäuerin.

Um Lebensmittel zu bekommen, mussten sie zehn Kilometer bis nach Österreich laufen. Lange dauerte der Aufenthalt nicht, denn schon bald hieß es, der Russe käme näher. So machte sich Familie Schula auf den Weg und hoffte, von den flüchtenden Soldaten mitgenommen zu werden. Sie hatten Glück, denn eine Kolonne hielt und nahm sie mit. Nach einer Zeit mussten die Erwachsenen sich bei den Kommandanten ausweisen. Da sie aus Oppeln kamen, mussten sie auch zurück nach Oppeln.

Wieder an einem Bahnhof angekommen, wurden sie von russischen Besatzungstruppen empfangen und ein Gepäckwagen wurde ihnen zugewiesen. Das war wieder Glück, denn so konnten sie sich vor Plünderungen und Vergewaltigungen schützen, indem sie den Wagen von innen mit einer Eisenstange verschlossen. In Schlesien angekommen, wurde ihnen mitgeteilt, dass der Zug nichtweiter fuhr, also ging es zu Fuß weiter. Die dreiwöchige Reise war anstrengend, da man nirgends Essen kaufen konnte. Andauernd mussten sie betteln, um zu überleben. Im Juni 1945 kamen sie in Oppeln an. Ihr altes Haus war zerstört und sie wussten nicht wohin. Als sie dann eine Tante der Familie aufsuchten und an deren Tür klopften, war die Freude groß, denn kein geringerer als ihr Vater öffnete die Tür.

Da Schlesien nun zu Polen gehörte, sollte die ganze Familie die polnische Staatsbürgerschaft annehmen. Da sie dies verweigerten, mussten sie Oppeln verlassen und mit einem Zug nach Hamburg reisen. Von dort wurden sie weiter nach Bissendorf in der Nähe von Osnabrück geschickt. Margot machte eine Lehre als Krankenschwester, kam in ein Labor in Bad Rothenfelde und wurde schlussendlich Laborleiterin in Hamburg. Ihre Heimat war jedoch immer Osnabrück und sie ist glücklich mit ihrem Leben, so wie es verlaufen ist.

Bei einem Treffen in den Wochen vor Weihnachten haben wir mit Frau Schula über Weihnachten gesprochen:

Drittes Treffen: Leben im Altersheim

Der nächste Besuch in St. Clara beinhaltete nicht nur noch Fragen über die Geschichte von Margot Schula, sondern auch über ihr gegenwärtiges Leben im Altersheim. Zudem machten wir eine neue Erfahrung, nämlich die, wie eine Seniorin über die heutige Welt denkt. Aber die Vergangenheit haben wir auch bearbeitet. Zumindest das, was nach Margot Schulas Flucht passierte.

Viertes Treffen

Manchmal haben auch Schüler wichtige Termine. Johann und Viktor, die bisher Frau Schule interviewt haben, mussten beim vierten Treffen vertreten werden. Projektreporter Lena und Hagen sind in die Bresche gesprungen.

Erneut begeben Hagen und ich uns in das Altersheim St. Clara. Dieses Mal führen auch wir ein Interview mit einer Seniorin, nämlich mit Frau Schula. Sie hat uns viel zu erzählen, unter anderem berichtet sie uns, warum sie sich entschieden hat ins Altenheim zu gehen und wie das Leben dort so ist. Und am Ende unseres Interviews gibt sie uns noch einen Ratschlag für die Zukunft mit auf den Weg.

Wie Ihr jetzt gehört habt, findet Frau Schula, dass man sich immer weiterbilden solle und jeder noch an sich zu arbeiten habe. Das sehe ich ganz genau so wie sie und somit ist das auch ein runder Schluss für unser Interview. 

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