Kathi Heitmeyer

Erste Treffen: „Kathi kann das wohl!“

Haben sie dem Tod schon einmal ganz tief ins Auge geguckt? Waren sie schon einmal in einer Situation, in der sie nur knapp dem Tod entronnen sind? Die meisten wahrscheinlich nicht. Kathi Heitmeyer, die am 5. Mai 1934 in Hagen geboren wurde und seit ihrer Geburt behindert ist, aber schon. Und hätte sie damals bei einer Untersuchung in Hannover nicht den einen Satz gesagt, hätten wir ihre Geschichte nie erfahren.

Kathi kam 1934 durch eine verunglückte Zangengeburt zur Welt, welche damals noch sehr unüblich war. Sie wurde mehrmals falsch mit der Zange am Kopf angefasst, was wohl auch der Grund ihrer Behinderung ist. Zusätzlich starb ihre Mutter bei der Geburt auch noch und so wuchs Kathi mit ihren beiden ältesten Geschwistern bei ihrer Tante auf.

Ihre anderen fünf Geschwister lebten bei dem Vater. Dass Kathi in der Vorkriegszeit aufwuchs, machte ihr Leben als Behinderte nicht leichter. Ein paar Jahre nach ihrer Geburt musste sie zu einer Untersuchung nach Hannover, welche schon darüber entscheiden sollte, ob Kathis Leben überhaupt irgendetwas „wert“ sei. Der untersuchende Arzt stellte damals schnell fest, dass sie so einiges nicht konnte und sagte:  „Das kann Kathi nicht, dies kann sie nicht, und das kann sie ebenfalls nicht und sprechen und hören kann sie wohl auch nicht?“ Jedoch hörte Kathi in dem Moment mit dem Weinen auf, setzte sich gerade hin und sprach mit fester Stimme: „Das kann Kathi wohl!“

Heute sagt Kathi, dass dieser Satz wohl ihr Leben gerettet hat und bedankt sich oft bei Gott, dass er sie nicht im Stich gelassen hat.

Drittes Treffen: ‚‚Die laufen wie die Hühner’’

Als wir wieder „unsere“ Seniorin Kathi Heitmeyer aus dem Seniorenheim St. Clara treffen durften, erzählte sie uns etwas über ihre Probleme als Rollstuhlfahrerin.

Obwohl sie sehr gut mit ihrem elektrischen Rollstuhl zurechtkommt, möchte sie damit nicht so gerne in die Innenstadt fahren, denn die Menschen laufen dort ,,wie die Hühner’’.

Aufgrund der Leute, die kreuz und quer, schnell oder langsam durch die Stadt laufen, hat sich Kathi Heitmeyer dafür entschieden, sich lieber mit Freundinnen zu unterhalten oder Besuch zu empfangen, wie zum Beispiel von ihren Geschwistern.

Schon als kleines Mädchen hatte sie es durch ihre Behinderung schwer, da es sie unter anderem traurig machte, bei Ausflügen mit der Schule oder beim Tanzkurs nicht mitmachen zu können. Sie erzählte uns von ihren Erfahrungen als behindertes Kind im Nationalsozialismus. Sie redete über ihre Kindheit in der NS-Zeit, über heutige Probleme als Rollstuhlfahrerin in der Stadt und noch einmal über die Untersuchung, die ihr Leben geprägt hat:

Frau Heitmeyer äußerte sich abschließend auch zum Thema Weihnachten, welches – zumindest zum Zeitpunkt unseres Besuches – schließlich eine große Rolle spielt!

Viertes Treffen: Der Alltag damals

Zum vieren Mal liefen wir am Freitag, 15. Februar 2019, als Gruppe von der Ursulaschule hinüber zum Seniorenheim St. Clara. Wir klopften an die Zimmertüren, wurden freundlich begrüßt und alles war direkt wieder vertraut und wir kamen ins Gespräch. Diesmal erzählte Kathi Heitmeyer uns etwas über den früheren Alltag und erklärte, wie die Menschen mit der damaligen Situation umgegangen sind. Außerdem beschrieb sie ihre Familienverhältnisse und erzählte, wie sie darunter leidet, dass ihre Schwester nun dement ist. Wie bei den letzten Malen hatten wir wieder etwas neues Interessantes über Kathi Heitmeyer erfahren und finden es bemerkenswert, wie sie sich jedes Mal öffnet und uns ihre spannende Lebensgeschichte erzählt.

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