Aloys Langer

Erstes Treffen: Der einzige Senior

Als wir, die Schüler des Kurses „Welt der Medien“ von der Ursulaschule Osnabrück, das Seniorenheim St. Clara am Berliner Platz erreichen, wissen wir zunächst nicht, was uns erwartet. Wir sind im Rahmen eines Projekts mit den Senioren zum Frühstück verabredet.

Nachdem wir durch die beiden Schiebetüren in den Eingangsbereich getreten sind, werden wir von Frau Rotert, einer Mitarbeiterin des Seniorenheims, eine fröhlich lächelnde, hochgewachsene Dame mit Brille, begrüßt und durch die gelb gestrichenen Flure die Treppe hinauf zum Speisesaal geführt. Wir setzen uns jeweils an einen der fünf kreisrunden Tische und warten gespannt, bis die Bewohner eintreffen. Kurze Zeit später kommen die Senioren, genauer gesagt die Seniorinnen und der einzige Senior, freundlich lächelnd durch die große Flügeltür spaziert oder eben gerollt. Als ein kleiner Mann im Rollstuhl an unseren Tisch kommt, stellen wir uns zunächst vor. Herr Langer ist gerade einmal 64 Jahre alt, lebt aber auf Grund einer Krankheit, durch die er im Rollstuhl sitzt, im Seniorenheim St. Clara.

Er wohnt schon sein ganzes Leben lang in Osnabrück und hat in seiner Jugend in vier Chören gesungen. Das Singen ist ihm bis heute wichtig und er kennt sich mit den Osnabrücker Chören wahrscheinlich besser aus, als jeder andere in seinem Alter. Auch bei den darauffolgenden Treffen betont er, wie viel er mit dem Chor erlebt hat und wie schade er es findet, dass sich die Osnabrücker Chöre nach und nach auflösen.

Was mir bei ihm besonders auffällt, ist, dass er die Stadt ganz anders wahrnimmt, als wir es tun. Er würde gerne das Grab eines alten Freundes besuchen, der vor kurzem gestorben ist, doch vor dem Friedhof sind Stufen, wodurch es ihm nicht möglich ist, das Grab zu erreichen. Solche „Kleinigkeiten“ fallen mir meist gar nicht auf, da ich ja ohne Probleme ein paar Stufen hochgehen kann, aber wenn man einmal darüber nachdenkt, merkt man, wie schwer es für jemanden mit einer Gehbehinderung sein kann, bestimmte Orte zu erreichen.

Aus diesem Grund ist es ihm auch unmöglich, seine Schwester zu besuchen, denn diese lebt als Ordensschwester in einem Dominikanerkloster in Südafrika. Als er uns das erzählt, wissen wir zunächst nicht, was wir sagen sollen, aber dann sagt er, dass er, wenn er viel Geld hätte, es lieber seiner Schwester geben würde, als es selbst zu nutzen.

Ich würde mir wünschen, dass er seine Schwester in Zukunft häufiger sehen kann und sich trotz des großen Altersunterschieds weiter gut mit den anderen Senioren in St. Clara versteht.

Hier unser erstes Interview mit Herrn Langer:

Zweites Treffen: „Normalerweise rede ich nicht so viel, das macht eher meine Schwester“

Auch am 14. Dezember, bei unserem nächsten Besuch im Seniorenheim St. Clara, werden wir zunächst von der Heimleiterin Frau Rotert in Empfang genommen. Heute sind wir mit dem Senior in seinem Zimmer verabredet. Wir haben ihm sogar ein kleines Weihnachtsgeschenk mitgebracht, das er dankend entgegennimmt.

Stolz präsentiert Herr Langer uns seine Krippe, die auf einem kleinen Schrank neben dem Fenster steht, und erklärt, dass er diese von seinem Vater bekommen hat und sie immer bis Maria Lichtmess dort stehen lässt. An Maria Lichtmess endete früher die Weihnachtszeit. Es wird jedes Jahr am 2. Februar gefeiert, doch viele kennen dieses Fest nicht und sind verwirrt, wenn sie die Krippe auch Ende Januar noch vor dem Fenster stehen sehen, erzählt Herr Langer lachend.

Nachdem er uns das letzte Mal von seiner Schwester in Südafrika erzählt hat, erzählt er uns heute, dass er noch drei weitere Geschwister hat. Sein älterer Bruder starb allerdings vor etwa einem Jahr und seine Schwester in Südafrika ist bereits etwas über 80 Jahre alt, trotzdem erfreut sie sich noch bester Gesundheit.

„Normalerweise rede ich nicht so viel, das macht eher meine Schwester“, sagt er lachend. Trotzdem lässt er uns kaum zu Wort kommen, wenn er sich in die Antwort auf eine Frage vertieft. Es ist also schwer vorstellbar, dass seine Schwester noch gesprächiger ist als er.

Ehe wir uns versehen, ist es bereits 9:10 Uhr und somit Zeit für, uns zu gehen. Wir verabschieden uns noch schnell und laufen dann zurück zur Schule, um rechtzeitig zur Pause wieder da zu sein. Auf dem Weg amüsieren wir uns noch über den gesprächigen Senior und seine Schwester, die laut Herr Langer die Person ist, die in der Familie am meisten redet.

Drittes Treffen: Ein Job und zwei Krankheiten

Auch am 30. Januar 2019 machen wir uns frühmorgens wieder auf den Weg ins Seniorenheim. Herr Langer begrüßt uns mit einem Lächeln im Gesicht und sagt: „Ah, heute werden also wieder Fragen gestellt.“

Wir haben uns bereits vorher Gedanken darüber gemacht, welche Fragen wir stellen wollen. Da wir zwar wissen, dass Herr Langer seit seinem 38. Lebensjahr im Rollstuhl sitzt, jedoch die genaueren Gründe nicht kannten, entschlossen wir uns weiter nachzuforschen.

Herr Langer leidet an zwei verschiedenen Krankheiten, die auch seine Berufswahl beeinflussten, was genau er für eine Krankheit hat, beziehungsweise wie er dadurch an seinen Job kam, erzählt er im folgenden Audiobeitrag:

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