Elisabeth Hahne

Erstes Treffen: Generationen stoßen aufeinander

Der Eingangsbereich des Seniorenwohnheims St. Clara in Osnabrück roch so, wie ich es aus dem Altersheim meines Opas kenne, nach Mittagessen, Putzmitteln und gelegentlich nach unangenehmeren Gerüchen.

Ich nahm als erstes die Bildergalerie schräg gegenüber war, auf der teils lächelnde und teils ernste Gesichter in die Kamera gucken. Bei einigen schien die Lebensfreude noch vorhanden, doch anderen sah man die Last des Alters an.

An der Pinnwand auf der rechten Seite hingen ordentlich aneinandergereihte Namensschildchen der Bewohner mit den dazugehörigen Zimmernummern. Mitarbeiterin Frau Rotert führte uns kurz ein und wir wurden zu dem Zimmer unserer älteren Dame namens Elisabeth Hahne geführt. Doch leider war die 94-Jährige noch nicht fertiggemacht, deshalb setzten wir uns noch eine Weile in die bequemen Ledersessel im Eingangsbereich und warteten bis das Licht über dem Zimmer ausging und die Pflegerin rauskam.

Mit Frau Hahne hatten wir uns schon einmal unterhalten, als wir die Senioren zum Frühstück besucht hatten. Schon damals wirkte sie etwas verunsichert und auch heute blickte sie uns zurückhaltend entgegen, als wir in ihr aufgeheiztes kleines Zimmer eintraten.

Zuerst begrüßten wir sie höflich und wiederholten noch einmal die wichtigsten Infos zu unserem Projekt. Frau Hahne hörte uns aufmerksam zu. Wir waren anfangs alle etwas unsicher und unser Gespräch lief etwas stockend, denn Frau Hahne antwortete immer nur sehr knapp. Nach einiger Zeit sprachen wir sie auf die vielen Bilder in ihrem Zimmer an, die alle Wände, die Fensterbank und ihre Kommode belegten. Ab da kam das Gespräch ins rollen und man merkte unserer Interviewpartnerin deutlich an, dass sie sich darüber freute, uns etwas über die vielen Familienmitglieder auf den Bildern zu erzählen.

Wir erfuhren außerdem, dass sie auch in Osnabrück auf die Ursulaschule gegangen ist. Frau Hahne war verwundert, als sie erfuhr, dass wir inzwischen eine geschlechtergemischte Schule sind und auch schon lange keine Nonnen mehr an unserer Schule unterrichten.

Ein Schwerpunkt unseres Projektes ist das Thema „Heimat“, zu dem sie uns erzählte, dass Osnabrück schon immer ihr Lieblingswohnort war. Trotzdem hätte sie, wenn nötig, ihren Mann überall mit hin begleitet, betonte Frau Hahne.

Ihre Eltern besaßen eine Apotheke direkt am Marktplatz, wo die damals sehr junge Elisabeth Hahne ein Praktikum anfing. Doch dieses wurde durch den Zweiten Weltkrieg schlagartig beendet. Frau Hahne, ihre zwei Brüder und ihre Eltern flüchteten 1944 zu den Großeltern nach Nordrhein-Westfalen, wo Elisabeth Hahne ihr Praktikum dennoch weiterführen konnte.

Ein weiterer Schicksalsschlag in ihrem Leben fing mit Scharlach an, wobei sich ihre Mandeln entzündeten und ein Arzt aus Dortmund ihr diese ohne die Erlaubnis ihrer Eltern entnahm. Anschließend bekam Frau Hahne eine Gehirnkrankheit, für deren Heilung eine komplizierte OP nötig war. Ihre Überlebenschancen waren gering. „Meine ganze Familie hatte sich schon im Krankenhaus versammelt, um sich von mir zu verabschieden, doch nach der OP wurde ich lebend aus dem OP-Saal geschoben“, erzählte uns Frau Hahne lächelnd.

Dass sie robust ist, beweist Frau Hahne mehr als einmal in ihrem Leben: Sie schaffte es, bis sie 90 Jahre alt wurde, alleine für sich zu sorgen, bis sie dann ins Seniorenheim St. Clara einzog und dort seit vier Jahren lebt.

Wir haben im Radiostudio auf die ersten Treffen mit Frau Hahne zurückgeblickt:

Zweites Treffen: Urenkel, Technik und Weihnachten

Am 14. Dezember besuchten wir wieder das Seniorenheim St. Clara und unsere Projektpartnerin Frau Hahne. Als wir in das kleine, gemütliche Zimmer der Seniorin traten, saß diese wie immer in ihrem gemütlichen Sessel und empfing uns lächelnd, als wir sie begrüßten.

Die Unsicherheit, die uns noch bei unseren ersten Treffen begleitet hatte, war gänzlich verflogen und wir unterhielten uns angeregt mit ihr über unser Projekt und das Aufnahmegerät, welches wir mitgebracht hatten. Es war kompliziert der Seniorin, deren technische Geräte sich auf einen Fernseher und ein Telefon beschränkten, zu erklären, wie solch ein Aufnahmegerät funktioniert, doch das Beispiel der Kassette half uns weiter.

Die Dame, die selbst zahlreiche Enkel und Urenkel hat, erzählte uns, wie wichtig sie es findet, dass die heutige Jugend mit der Technik und den Medien aufwächst, nachdem wir sie nach den Unterschieden zwischen der Jugend von damals und der von heute fragten. Sie fügte jedoch auch hinzu, wie schade sie es findet, dass jegliche Kontakte durch die Nutzung der vielen Messenger mit der Zeit abstumpfen würden, wobei wir ihr nach einiger Überlegung zustimmten.

Wir haben uns auch über Handys, ihre Interessen und das Thema „Gleichberechtigung“ unterhalten:

Wir sprachen Frau Hahne auch noch auf die üppige Weihnachtsdekoration an, die wir schon beim Eintreten in das Zimmer bemerkt hatten. Frau Hahne erzählt uns viel über die verschiedenen Dekostücke, die ihre Tochter jedes Jahr im Zimmer anbringt, wie zum Beispiel die vielzähligen, kristallenen Glassterne, die von der Gardinenstange baumeln und im Licht glitzern und glänzen. Jedes Jahr, so erzählte uns Frau Hahne, kommt ein Stern dazu, so dass mit der Zeit eine beachtliche Sammlung zusammengekommen ist.

Auf die Frage, wie ihr Weihnachtsfest aussehen wird, erzählte uns Frau Hahne mit einem Lächeln im Gesicht, dass sie, wie jedes Jahr, Heiligabend mit der gesamten Familie bei ihrer Tochter verbringt. Sie erzählte uns von den Weihnachtstraditionen, die sie zu pflegen wissen und man merkt, wie sehr sich die Bewohnerin des Altenheims schon darauf freut.

Drittes Treffen: Ein Gespräch über Musik

Wir, Greta, Amelie und Paula, haben uns am 25. Januar 2019 wieder mit unserer mittlerweile sehr vertrauten Interviewpartnerin Frau Hahne getroffen. Nachdem wir sie vom Frühstück abgeholt haben und uns wieder in ihr gemütliches Zimmer gesetzt haben, haben wir angefangen, uns mit ihr zu unterhalten. Dieses Mal ging es um das Thema Musik und die Vorzüge der verschiedenen Genres.

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